Scansano

Scansano erreicht man auf der S.S. 322 Grosseto-Manciano.

Die Geschichte des Mittelalters in Scansano unterscheidet sich nicht von jener der anderen Städtchen der Maremma. Zum ersten Mal im 12. Jahrh. urkundlich erwähnt, gehen seine Ursprünge vermutlich auf das vorgehende Jahrhundert zurück. Im 13. Jahrh. gehörte es zu den Territorien, die den Aldobrandeschi des Familienzweigs von Santa Fiora zugeteilt werden. Sie besaßen den Ort bis zur Mitte des 15. Jahrh., auch wenn der Akt der Unterwerfung unter Siena bereits ein Jahrhundert zuvor besiegelt wurde. Seit dem 16. Jahrh. setzt eine demographische und urbanistische Entwicklung ein, die  keines der Kastelle der Umgebung jemals erleben würde. Neben der Landwirtschaft und den Bergwerken trug auch die “gute Luft“ zur Anziehungskraft des Ortes auf die Küstenbewohner während der heißen Sommermonate bei. Diese Gewohnheit wurde offiziell zu Beginn des 19. Jahrh. anerkannt, als Leopoldo II. die “estatura“ einführte, d.h. die Verlegung aller öffentlichen Einrichtungen von Grosseto nach Scansano, um sich den ungesunden Ausdünstungen der maremmanischen Sümpfe (Malaria!) zu entziehen. Im Laufe des 19. Jahrh. erlebte der Ort eine bemerkenswerte Entwicklung, die u.a. auch von der Errichtung des Castagnoli-Theaters (1892) bezeugt wird, das einen guten Ruf besaß. Die “estatura“ wurde 1897 abgeschafft

Von Piazza Garibaldi aus betritt man die Altstadt durch ein Stadttor aus dem 16. Jahrhundert, an dessen Stelle wahrscheinlich ein mittelalterliches Tor mit Schutzgraben stand. Längs der Via Vittorio Emanuele II befinden sich Gebäude aus dem 16. Jahrh., darunter der Patrizier-Palast (Nr. 36-38), mit dem Familienwappen auf der Fassade. Eine kleine Gasse führt rechts zum ehemaligen Pilgerhospiz. Es geht weiter bis zur Piazza Ferrucci, oberhalb derer einst eine Zitadelle stand, die zum Teil zerstört bzw. teilweise in spätere Bauten eingegliedert wurde.

Am Ende der Via Vittorio Emanuele II befindet sich rechts die Kirche San Giovanni Battista, zum ersten Mal in einer Urkunde aus dem 13. Jahrh. erwähnt, aber während des 17. Jahrh. vollständig umgebaut, weshalb nur kaum etwas von ihren Ursprüngen erhalten ist. Das Gebäude ist kürzlich restauriert worden.

Der Eingang besteht aus einem Portal des 15. Jahrh. aus Gestein der Umgebung. Im Innenraum, der im 18. Jahrh. umfassend umgestaltet wurde, befinden sich vier Gemälde aus dem 17. Jahrh.: An den linken Seitenaltären hängen eine Hl. Jungfrau mit Kind und der Hl. Anna (Sieneser Schule) und das Martyrium des Hl. Sebastian von Stefano Volpi (1606-1642 in Siena bekannt). Am Altar des linken Querschiffs befindet sich die sogenannte Hl. Jungfrau der Rettung, die gemäß der auf das 14. Jahrh. zurückgehenden Ikonographie die Gläubigen unter ihrem weiten Mantel beschützt. In der Rosenkranzkappelle trifft man auf eine Hl. Jungfrau mit Kind und Heiligen (Sieneser Schule). Am Altar des rechten Querschiffs ist die Kopie einer Terrakotta aus dem 15. Jahrh. ausgestellt, die Andrea della Robbia zugeschrieben wird und einst gestohlen wurde. Zuletzt sei auf eine bemalte Holzstatue von bemerkenswerter Qualität hingewiesen, die hier als Hl. Jungfrau der Verkündigung der Augustmitte (sieneser Schule, 15. Jahrh.) bekannt ist.

An der Seite der Kirche vorbei gehend, trifft man auf einen Torbogen, der außerhalb der Stadtmauern führt, von wo aus der Blick auf eien Rundturm und die Rückwand der Kirche fällt, die Teil der Mauern sind. Wieder in den Ort zurückgekehrt, befindet sich links die Via Romita, in der zahlreiche Gebäude mit mächtigen mittelalterlichen Mauern und schrägen Stützmauern stehen sowie gegenüber die Piazza Pretorio mit dem Palazzo Pretorio. Dieses Gebäude war einst Sitz des Gemeindeamts von Grosseto während der Sommermonate (“estatura“) und beherbergt nun die beiden Museen von Scansano. Der Palazzo wurde im 15. Jahrhundert erbaut und ist im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert worden. Er weist einfache rechteckige Formen auf, die durch die Fensterrahmen aus grauem Felsstein betont werden.

Außerhalb der Altstadt führt die Straße nach Manciano auch zu einer Kirche mit Ursprüngen aus dem 17. Jahrhundert, der Kirche Madonna delle Grazie (Hl. Jungfrau der Gnade), die auch della Botte (“des Fasses“) genannt wird.

Das derzeitige Gebäude entstand 1867. Das angebetete Bild (Mitte des 16. Jahrh.) verdankt seinen Namen der Hl. Jungfrau des Fasses einer Legende, derzufolge das Gemälde in einem Fass gefunden wurden, das auf wundersame Weise bis zu der Stelle gerollt war, an der dann die Kirche errichtet wurde.

 

 

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