Römische Villa in Aia Nova

Thermalanlage

Von Scansano aus nimmt man die Straße nach Magliano (SS 323) und nach ca. 2,5 km biegt man nach links auf eine abwärts führende  Schotterstraße ab. Nach ca. 3,5 km erreicht man das Gehöft (podere) Aia Nova,  wo man das Fahrzeug abstellt und zu Fuß auf einem Feldweg, der vom Gehöft aus rechts Richtung Südwesten abwärts führt, zu den  Überresten  der römischen Villa gelangt. Nach ca. 500 m öffnet sich links ein Feld, auf dem ein großer hundertjähriger Birnbaum den ehemaligen Standort der Villa bezeichnet.

Eines der offensichtlichsten Anzeichen der Romanisierung der eroberten Gebiete ist die Errichtung von Villen, d.h. komplexen architektonischen  Schöpfungen, die sich in der Mitte der Ländereien befanden. Im Gebiet von Cosa  bezeugen die Villen die Anwesenheit von Besitzern, die zur Aristokratie des römischen Senats gehörten. In den Territorien von Heba und Saturnia waren zumindest in der Anfangszeit die größeren Ländereien im Besitz der örtlichen Herrscher bzw. vor allem im Fall von Saturnia im Besitz herausragender Persönlichkeiten etruskischen Ursprungs, denen es gestattet wurde, ihre Landgüter zu behalten. Der Besitzer der Villa von Aia Nova, der bekanntesten  der römischen  Villen im Gebiet von Scansano, die um die Mitte des 1.Jahrh. v.Chr. erbaut wurde, war vermutlich  ein ehemaliger Kriegsteilnehmer,  dem zur Belohnung für  die erwiesenen militärischen Dienste bei seinem Abschied vom  Heer ein Landgut übereignet wurde. Das Auftauchen von Veteranen  im Gebiet von Heba hängt mit einer weitverbreiteten Entwicklung zusammen, die das Aussehen vieler italienischer landwirtschaftlicher Gebiete zunächst unter Szilla und dann vor allem unter Cäsar und Ottavian-Augustus  bestimmte. Der Besitzer der Villa könnte aufgrund des Namens auf einem Ziegelstempel ein gewisser Publius Anilius gewesen sein, dessen Familie auch anderenorts in der Toskana und im Latium bezeugt ist. Der Standort der Villa, die bereits seit langer Zeit verlassen worden war, ist während der späten Kaiserzeit vorübergehend  bewohnt gewesen.

Die Villa erhebt sich auf einem Hügel in der Nähe des Bauernguts Aia Nova und erstreckt sich über eine weitläufige künstliche  Terrasse, die im Osten von einem gedeckten Wandelgang gestützt wird, in dem sich Lagerräume und Werkstätten befunden haben mögen. Der Gebäudekomplex muß recht umfangreich gewesen sein, soweit dies aus ähnlichen anderen Beispielen und den bislang ausgegrabenen Bereichen geschlossen werden kann. Zentrum des Herrenhauses (pars urbana) war das Atrium mit vier Säulen, von dem mehrere Räume abgingen, u.a. ein Speisesaal (triclinium), einige Schlafzimmer (cubicula) und ein Repräsentanzsaal (oecus). Die Besitzer verfügten auch über eine Thermalanlage, von der mehrere Räume gefunden wurden.

Die pars urbana war mit fein ausgearbeiteten Fußböden und Wandmalereien verziert. In einigen Sälen, darunter das triclinium, sind Fußböden aus opus signinum/cocciopesto erhalten, wie sie zu republikanischer Zeit üblich waren, und die mit geometrischen Dekorationen aus kleinen weißen Marmorstücken oder beliebig verstreuten Marmortäfelchen und farbigen Steinchen verziert sind. 

Aus Gründen der Erhaltung sind die Fußböden abgedeckt und daher nicht zu besichtigen. Im Archäologiemuseum in Scansano werden hingegen einige Rekonstruktionen sowie Abbildungen gezeigt, die einen Eindruck von der Eleganz dieser antiken Räume vermitteln.

 

Regenwasserbecken (impluvium) im atrium

 

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